Montag, 8. Juni 2015

Offensive gegen Rechts: Heiß in Favoriten

Blaugeärgerte Bürger_innen in der Steiermark. Nicht nur deren amtierendes rot-schwarzes "Reform"-Duo bereitete den Rechtspopulismus für die Freilichen vor.
Dann kam Klo-Addition des Arbeiter_innenverräters Hans Niessl für Abendland, Vaterland und Burgenland. Die FPÖ-Landstraße demonstrierte ihre ablehnende Fehlhaltung gegenüber dem hiesigen Asylquartier - auch vor neuankommenden Flüchtlingen mit Kindern.

Gut verständlich, dass ich auf die Einladung der "Offensive gegen Rechts" folgte und mich am 6.6. um 11:00 Uhr am Reumannplatz einfand, um an der Demo gegen die Demo einiger "Identitären" in Favoriten teilzunehmen - zum Demonstrieren, zum Blockieren, zum Fotografieren. 

Zum Keplerplatz ging's zunächst, wo die Demo offiziell beendet wurde.
Das weitere Blockieren der Faschisten war sommerliches Privatvergnügen.



Ansprachen. Rechtshilfenummer wurde ausgetauscht. Vor Polizei und nah gelegene Neonazi-Höhlen wurde gewarnt. Zusammenbleiben hieß es. Noch einmal Wasser getankt und den Nacken eingecremed. Dann ging's durch die Fußgängerzone. Neugierige Passant_innen ließen sich nur selten stören. Filmten uns.

Manche regten sich über die Polizeisperren auf, die auch den einzigen Trinkbrunnen in der Nähe einschlossen (taktisch?). Einer klagte darüber, dass die Demonstrant_innen auch noch die Umwelt verschmutzten (verlorene Flugblätter?).


Auf der anderen Seite der Sperre, beim vorläufigen, offiziellen Auflösungspunkt der Demo, nahe Keplerplatz, fragte einer, ob wir uns nicht genieren würden, da zu stehen. War aber zuvor so höflich, zu fragen, ob er uns filmen dürfe. Ließ es tatsächlich bleiben. Gegenseitiges Unverständnis.


Ich frage mich, ob irgendjemand von den Einkaufenden, Eisessenden und dort Wohnenden verstand, warum wir da waren? Dass jene "Identitären" - also Menschen, die stolz auf ihre Identitätsstörung sind, sie sogar zur politischen Ideologie verklären - die Feinde jeder Multi-Kulti-Gesellschaft sind, die gerade unsere Demostrecke belebt?

Obwohl: Nanona



Ich arbeite dran.

Spätestens wenn ich Kanzler bin

Vermutlich nicht. Diverse Kampfparolen, Begriffe und Zusammenhänge leuchten allen interessierten Linken selbstverständlich ein. Außenstehenden hingegen schwer. Und das lag nicht nur an der üblichen Demo-Akustik.  

Arbeitsplätze und Hetz-Gesetze. Sozusagen ein ÖVP-Thema im zweifachen Sinn.
Freie Liebe nicht vergessen!


Mit einem meiner Gesprächspartner war ich mir einig, dass in Deutschland vergleichsweise 1) die Polizei weniger eskaliert, 2) antifaschistische Demos von einer größeren Bandbreite der Gesellschaft getragen werden und 3) die Deutschen ihrer Grundrechte eher bewusst sind (von diesem Punkt war jedenfalls ich überzeugt).


Ich weiß nicht, ob, wie vom am Ende heißeren Jockey der Wagenbühne behauptet, die Polizei alle Demonstrant_innen kriminalisieren wollte und ausschließlich vor Ort gewesen wäre, um die Rechten zu schützen und die Linken zu be- und überwachen. Angeblich wurden die Veranstalter_innen oder Mitwirkende von "Offensive gegen Rechts" bereits auf dem Weg zur Demo von Beamt_innen angehalten und/oder schikaniert.


Die Polizei filmte jedenfalls, verkündete es am offiziellen Ende der Demo, als diese erst richtig begann. Polizeihubschrauber, Kamerawagen, schwitzende Polizisten und Polizistinnen in Kampfmontur, Polizeihunde... Taten mir schon leid.
Unterm Helm wäre es zu heiß gewesen, ohne knallte die Sonne auf die schutzlosen Staats-Schützer_innen.


Besonders leid aber tat mir der durchaus sympathische Herr unter der "mobilen Verkehrskamera". Dieser durfte zwar in Zivil und Kurz wachen, wurde aber nicht alle zwei Stunden abgelöst wie seine uniformierten Kolleg_innen. Die trugen übrigens keine schusssicheren Westen drunter, sondern lediglich schlaghemmende, wie ich mir erklären ließ.
Vor Hitze und Schweiß schützt sie nicht - das unnötige Teil. Die Antifaschist_innen waren völlig friedlich.

Die Reihen der Beamt_innen waren bei den Antifaschist_innen in die andere Richtung gekehrt. Muss man auch verstehen. Zahlenmäßig ging das Bedrohungsszenarion eindeutig von den Antifaschist_innen aus.
Ich hätte dem Kameramann beinahe ein Eis gebracht, musste mich aber wieder in Bewegung setzen. Die "Identitären" kamen in der Parallelgasse vorüber. Somit war die große Fußgängerzone bereits erfolgreich blockiert. Quasi.

Jedenfalls von Seiten der Polizei schien diese Route vorausgeplant gewesen zu sein, vor allem die Endstation der Identitären am Reumannplatz. Dort wo der Trinkbrunnen von Anfang an blockiert gewesen, waren es auch bald die Faschisten (und Faschistinnen. Frauen, die sich bewusst mit Gruppen verbünden, die nichts von Gendergerechtigkeit halten, haben allerdings auch kein weiteres Gendern verdient).


Identitätsgestört. Eigentlich könnten die Identitären das ihren Gegner_innen vorwerfen. Aber wer trägt die einheitlich gelb-schwarzen Fahnen, um einander in der Menge nicht zu verlieren?
Angeblich wollten sie ursprünglich weiter zum Verteilerkreis (Altes Landgut). Kann mir allerdings nicht vorstellen, was sie dort gewollt hätten. Die Rechten melden gerne Fakes an. Und umkreisen konnten sie sich ohne Abgase auch von uns lassen.
Jedenfalls wurden sie, nach einigem nutzlosen Verweilen, umringt von friedlichen Antifaschist_innen und schützenden Polizist_innen, von letzteren in die nur einseitig geöffnete U-Bahnstation geführt. Schönes Zeichen. Papa Staat wird's schon richten, das Bild geraderücken: Mit dem Sonderzug zurück in den Keller!

Der schwarze "Block" oder das, was ich dafür halten musste, kam nicht sehr zahlreich und anscheinend ziemlich verspätet. Musste ich annehmen, nachdem ich einen kleinen Umweg machte, weil ich Engpässe zwischen Sperrgittern nicht mag (ich hab schon Probleme mit vollen Rolltreppen).
Die einheitlich in Dunklem eingepackten Hitzschlagkandidat_innen liefen mir beim Zurückkreisen durchs Gassenlabyrinth über den Weg, der dann ein gemeinsamer wurde. An dieser Stelle erneuten Dank an die Polizei für ihre Dienste. Ohne blaulichtige Fahrzeuge mit eindeutigen Fahrtrichtungen, hätte ich meine Antifaschist_innen vermutlich nicht so schnell wieder gefunden.



Die "echten Identitären" trafen übrigens recht früh ein und wurden kurz tatsächlich für die falschen (also die echten) gehalten - am anderen Ende der Polizeisperre beim Keplerplatz.
Außerdem: Was auch immer die Faschisten bei ihrer Demo hatten, wir hatten jedenfalls die beste musikalische Unterstützung dabei - und das in Pink. Diese sorgte - meiner Meinung nach - für das größte Interesse bei den Passant_innen.

"Meine" Antifaschist_innen. Schon tolle Leute. Allerdings fand ich es - wenn auch emotional  nachvollziehbar - nicht in Ordnung, ein paar Identitäre ausgerechnet in einem Junk-Food-Laden zu belagern. Sollten sie dort verhungern? Es war natürlich auch nicht sehr gescheit von den Belagerte, es sich direkt vor Ort, wo es noch von linken Gegendemonstrant_innen wimmelte, gemütlich machen zu wollen.


Oder war es beabsichtigte Provokation? Dann war es dennoch keine kluge Absicht. Genausowenig wie diese Form von psychischer Gewalt von Seiten der Linken. Faschisten neigen zu massiven Angstzuständen! Mag es auch sein, dass die meisten Linken der Neugier wegen herbei eilten: Wie sieht ein Identitärer wohl aus der Nähe aus? Sieht man da Narben? Womit wird die Gehirnprothese eigentlich betrieben? Oder wird sie es überhaupt?

"Wir kriegen euch alle!" ist nicht mein Ausruf. Deshalb nützte ich die wiedergeöffnete U-Bahn und begab mich unter die Dusche.

Jener Brandkörper, der sich auf dem Dach, anscheinend aufs Dach der U-Bahnstation (doch nicht Ströck-Filiale) verirrte, stammte meines Erachtens nicht von den Antifaschist_innen. 1) Ich sah nie Pyrotechnik unter ihnen. 2) Wäre zu nahe an den eigenen Reihen gelandet.

Edit 1: Siehe Bilder-Links im Kommentar von Jonas Reis. Entweder beide Seiten können nicht werfen. Oder "bengalisches Feuer" kam tatsächlich von meinen Mit-Linken? Ich hätte schon einen Verdacht, welche schwarzen Schafe das gewesen sein könnten (Drei Feuerwehrwagen erschienen dennoch etwas übervorsichtig).
Wie auch immer: Interessant, wie die Sichtweise vor Ort von Fotografien abweichen kann - auch wenn ich den Wurf selbst nicht sah.
Ich höre schon hier und da "Photoshop!" schallen. Aber man muss auch Fehler zugeben können. Und Gewalt, auch ihr Versuch, ist immer ein Fehler.

Edit 2: Erfuhr etwas später, dass hingegen die mit dem Zug abtransportierten Indentitären beim Praterstern gewalttätig wurden. Ich muss immer wieder an diesen Ärzte-Song denken: "Schrei nach Liebe".

Kommentare:

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    2) https://www.flickr.com/photos/martin-juen-fotografie/18344090078/in/album-72157653720525938/
    3) https://www.flickr.com/photos/martin-juen-fotografie/18533818271/in/album-72157653720525938/
    4) https://www.flickr.com/photos/martin-juen-fotografie/18533821781/in/album-72157653720525938/
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    erklärt alles! ;)

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